05.05.2008
Navigator
Knecht hat mich heute wieder daran erinnert, dass ich schreiben wollte. Nicht dass ihn meine literarischen Ambitionen wirklich interessieren würden, aber eine gewisse Eitelkeit ist bei Knecht deutlich, weil ich über Ihn schreibe. Ich könne es nicht erzwingen, war mein übliches Argument, aber diesmal ließ er es nicht durchgehen. Er meinte ich solle von den Navis schreiben, von der Idee mit den taumelnden Passanten, die nicht mehr geradeaus schauen, sondern unentwegt in Ihr Handydisplay starren, weil sie den Anweisungen Ihres Personal Navigation Assistant (PNA) folgen. Knecht meinte mit den Navis könnte man in ein paar Jahren mal Leute kidnappen, ein gefundenes Fressen für Cyberterroristen. Sie hacken sich ins PNA System des Opfers und leiten es in unbekannte Zonen der Stadt, bis sich das Opfer völlig orientierungslos in der Hand des Angreifers befindet. Entweder das Opfer zahlt oder man lässt es in der Innenstadt einer Metropole verhungern. Es entbehrt nicht eines lasziven Reizes wenn man darüber nachdenkt.
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Über mich
- halfdalf
- warum schreibt man eigentlich oder ist die Frage eher: warum schreibt man nicht? Geschriebene Worte sind Herzblutspenden, überlieferte Weisheit, in Stein gemeißelte Gefühle, mitgeteilte Gedankenblitze. Nervenpolaroids so manche, filigrane Gebäude die anderen. Wie sonst soll man sich durch die Seelenlandschaften finden? Durch die sonnigen Gärten, sandigen Strände, kühlen Wälder, Höhlen und Grotten der Seele? Geschriebenes ist wie eine Landkarte um den geneigten Leser durch die inneren und äußeren Welten zu leiten, mögliche Überschneidungen der Universen zu finden. Worte sind dabei die Lampe am Helm des Höhlenforschers, der Projektor auf dem die Filme der Vergangenheit und der Träume ablaufen. So manch Gedicht ist Balsam, die eine oder andere Geschichte das pure Leben, ein Artikel kann Wunder wirken, Poesie ist Zauberei und wer lauscht nicht gern dem Wort des Mimen? Worte die geschrieben sind erhalten eine zusätzliche Dimension im Vergleich zu gesprochenen, sie reiten in der Zeit. Das Hier und Jetzt gebannt in einem erstarrten Augenaufschlag, der beim Lesen wieder in Bewegung gerät, sich zur Gegenwart gesellt und erneut entsteht.
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