Knecht war heute nicht gut drauf. Er saß auf einem Sessel in meinem Wohnzimmer und starrte auf den Bildschirm. Ich wollte ihn ein bisschen aufmuntern und meinte er solle lieber etwas an die Sonne gehen, heute war ein wunderschöner Maitag.
Sonne, das war das Stichwort. Knecht blickte nur kurz vom Bildschirm auf und sah mir in die Augen. Dann versank sein Blick wieder in den Pixelwelten.
11.05.2008
05.05.2008
Ungewiss
Knecht lehnte an der Tür und sah mich an. Es macht mir Unbehagen, wenn mich jemand von der Seite anschaut, während ich ein e-mail in die Tastatur hacke. Es bedurfte fünf Seitenblicke und ein „Was ist ?“, bis er mit der Sprache rausrückte. Ihm sei aufgefallen, dass ich in der letzten Zeit immer wortkarger würde. Das sei mir auch schon aufgefallen, erwiderte ich. In meinem Kopf entstand das Bild einer Kreissäge, die die Spannung die gerade in der Luft lag in kleine Scheibchen zirrmte. Knecht neigte seinen Kopf ein paar Grad zur Seite, schlechtes Zeichen, das wusste ich inzwischen, er hatte ein Theorie im Kopf, die er loswerden wollte.
Navigator
Knecht hat mich heute wieder daran erinnert, dass ich schreiben wollte. Nicht dass ihn meine literarischen Ambitionen wirklich interessieren würden, aber eine gewisse Eitelkeit ist bei Knecht deutlich, weil ich über Ihn schreibe. Ich könne es nicht erzwingen, war mein übliches Argument, aber diesmal ließ er es nicht durchgehen. Er meinte ich solle von den Navis schreiben, von der Idee mit den taumelnden Passanten, die nicht mehr geradeaus schauen, sondern unentwegt in Ihr Handydisplay starren, weil sie den Anweisungen Ihres Personal Navigation Assistant (PNA) folgen. Knecht meinte mit den Navis könnte man in ein paar Jahren mal Leute kidnappen, ein gefundenes Fressen für Cyberterroristen. Sie hacken sich ins PNA System des Opfers und leiten es in unbekannte Zonen der Stadt, bis sich das Opfer völlig orientierungslos in der Hand des Angreifers befindet. Entweder das Opfer zahlt oder man lässt es in der Innenstadt einer Metropole verhungern. Es entbehrt nicht eines lasziven Reizes wenn man darüber nachdenkt.
03.05.2008
Mauersegeln
Knecht saß heute morgen auf der Fensterbank und lehnte sich so weit zurück, dass ich es mit der Angst bekam und zugriff. Er lachte mich aus und meinte ich solle über die Vögel schreiben. Ich wusste nicht was er meinte, bis er mit dem rechten Zeigefinger auf ein Schwalbennest deutete, dass sich direkt unter unserer Dachrinne befand. Knecht sagte, die Schwalben nutzen solche schwer zugängliche Quartiere als Ausgangspunkt um in der Luft zu jagen. Schwalben profitieren vom Menschen, weil sie in den besiedelten Gebieten Nistplätze finden. Ich wollte wissen wieso ich darüber schreiben sollte.
Knecht meinte, das würde ich erst verstehen, wenn sie nicht mehr kämen im Sommer.
Knecht meinte, das würde ich erst verstehen, wenn sie nicht mehr kämen im Sommer.
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Über mich
- halfdalf
- warum schreibt man eigentlich oder ist die Frage eher: warum schreibt man nicht? Geschriebene Worte sind Herzblutspenden, überlieferte Weisheit, in Stein gemeißelte Gefühle, mitgeteilte Gedankenblitze. Nervenpolaroids so manche, filigrane Gebäude die anderen. Wie sonst soll man sich durch die Seelenlandschaften finden? Durch die sonnigen Gärten, sandigen Strände, kühlen Wälder, Höhlen und Grotten der Seele? Geschriebenes ist wie eine Landkarte um den geneigten Leser durch die inneren und äußeren Welten zu leiten, mögliche Überschneidungen der Universen zu finden. Worte sind dabei die Lampe am Helm des Höhlenforschers, der Projektor auf dem die Filme der Vergangenheit und der Träume ablaufen. So manch Gedicht ist Balsam, die eine oder andere Geschichte das pure Leben, ein Artikel kann Wunder wirken, Poesie ist Zauberei und wer lauscht nicht gern dem Wort des Mimen? Worte die geschrieben sind erhalten eine zusätzliche Dimension im Vergleich zu gesprochenen, sie reiten in der Zeit. Das Hier und Jetzt gebannt in einem erstarrten Augenaufschlag, der beim Lesen wieder in Bewegung gerät, sich zur Gegenwart gesellt und erneut entsteht.